Coming Home to Kathmandu

Straßenszene in KathmanduDie Busfahrt von Pokhara ist lang und irgendwie anstrengend und wird mir nur durch ein kleines zotteliges Mädchen versüßt, das vor mir sitzt und endlos das Hinkuck-Wegkuck-Sich-Wegwerfen-Vor-Lachen-Spiel spielen kann. Kinder sind einfach überall auf der Welt gleich.

Gegen 15 Uhr erreichen wir erst Kathmandu.Wenn man an einen Ort kommt, den man schon kennt, ist es immer irgendwie ein bisschen wie nach Hause kommen und als ich wieder an der Ecke zum Alobar Hostel in Thamel stehe, fühle ich mich direkt wieder heimisch. Ich bekomme im Schlafsaal sogar genau das selbe Bett zugeteilt wie letztes Mal und stürze mich nach dem langen Herumgesitze im Bus erstmal ins Getümmel von Thamel. Um 18 Uhr gibt es im Hostel einen kleinen Kochkurs, und ich würde ja so gerne noch lernen wie man Momos macht, aber vielleicht schaffe ich es vorher noch zum Affentempel. Natürlich verlaufe ich mich aber im Gassengewirr und bleibe mal hier, mal da stehen und komme so erst gegen 17.15 Uhr am Fuße des Hügels an, auf dem sich der “Echte” Affentempel, das Heiligtum Swayambhunath, befindet.

An einem Straßenstand habe ich mir noch für 50 Rupies ein paar Momos zum Mitnehmen geholt, die ich eigentlich im Park essen wollte, aber es sind Aufstieg nach Swayambhunath so viele Affen dort dass ich direkt wieder umkehre. Eine Gruppe Jungs weist mich auch direkt darauf hin, dass ich nicht mit Essen in die Nähe der Affen kommen sollte und bietet mir einen Hocker vor einem der Straßenstände am Eingangstor zum Tempelpark an. Den nehme ich natürlich gerne und nachdem ich ihnen zwei Momos aus meiner riesigen Tüte und etwas Handlotion ausgegeben habe, kommen wir ins Gespräch. Die Momos sind glaube ich mit Yakfleisch gefüllt und super lecker. Am Ende ist es halb 6 als ich mein Essen beendet habe und ich entscheide mich, wegen des Kochkurses zurück ins Hotel zu laufen und morgen zum Sonnenaufgang nochmal zu kommen und den Tempelberg zu besteigen. Einer der Jungs bietet mir an, mich auf seinem Motorrad zum Hostel zu bringen, immerhin sonst ein 40-Minuten-Spaziergang. Kurz überlege ich ob er mich danach um Geld bitten wird, aber dann sage ich einfach zu. Und tatsächlich bringt mich Hari, dessen Schwester in Frankfurt lebt, einfach so zurück ins Hostel. Er bietet mir noch an, dass er mir ein Bier ausgibt, wenn ich gegen Acht in eine der Bars um die Ecke komme, aber stellt ansonsten keinerlei Forderungen. Super nett, diese Nepalesen.

Leider fällt Opferlichter der Kochkurs aus, da ich die einzige Interessentin heute bin, und irgendwie bin ich auch zu platt, um groß noch auszugehen und so verbummele ich den Abend im Gemeinschaftsraum des Hostels. Am nächsten Morgen mache ich mich gegen 05:20 Uhr auf zum Affentempel. Die Straßen sind wie leergefegt und erst als ich mich dem Tempel nähere wird es etwas mehr. Im Tempelpark selbst ist es plötzlich rappelvoll mit Nepalesen, die Meditieren, die Treppen hoch- und runterjoggen, sich stretchen oder einfach zur Morgenandacht mit ein paar Opfergaben in Richtung der Stupa strömen. Ich bin natürlich zu spät und die Sonne ist schon aufgegangen nachdem ich mich die steilen Treppen hochgeschleppt habe. Allerdings ist das Ticketoffice noch nicht besetzt und so spare ich mir die 200 Rupies Eintrittspreis. Der Blick über das morgendliche, leider mal wieder etwas dunstige, Kathmandu ist wirklich schön und der Tempel an sich ebenso. Überall laufen Menschen herum – teilweise in ihren Joggingklamottem- die die Gebetsmühlen drehen, die Glocken läuten, wunderbar duftende Kokoswachskerzen anzünden und ihre religiösen Rituale vollziehen. Eine kleine Band aus mehreren alten Männern sitzt im Kreis auf dem Boden, spielt, und singt fremdartige Lieder und ihr kleines Publikum ist völlig in die Musik versunken. Ich setze Swayambhunath mich eine Weile dazu und lausche der Band, die aus einem Trommler, einem Zitterspieler und einem Sänger besteht. Und dann ist da noch ein Mann, der eine Art riesiges Akkordeon spielt, was vor ihm auf dem Boden steht und einer, der kleine Glocken aneinander schlägt.

Nach einem kleinen Frühstück auf der Dachterrasse des Hostels laufe ich gegen 09.30 Uhr los in Richtung Patan, etwa 6 km südlich von Kathmandu. Hier in Patan, früher genau wie Kathmandu ein eigenes Königreich, soll es einen noch schöneren Durbar Square mit Gebäuden aus dem 14. Jahrhundert geben als in Kathmandu. Nachdem ich ganz schön lange an der staubigen Hauptstraße entlang gelaufen bin, komme ich endlich im Zentrum von Patan an, auch hier muss man als Ausländer Eintritt bezahlen. Aber es lohnt sich, denn die Anlage, die aus dem alten Königspalast und einigen Tempeln besteht, ist wirklich schön und irgendwie stimmiger und weniger überfüllt als der Durbar Square in Kathmandu. Es gibt etliche Tempel mit kunstvollen Holzschnitzereien und eine riesige alte Glocke, mit der früher die Untertanen des Königs auf dem Platz zusammengerufen wurden, wenn der König ihnen etwas zu sagen hatte. Kurz darauf werde ich von einer nepalesischen Version von Johnny Depp angesprochen, Swayambhunath der sich mal wieder als Guide anbietet. Ich erzähle meine Story: Geld geklaut, letzter Tag, nur noch 500 Rupies über- sorry. Die hat sich als schnell und wirksam entpuppt für allerlei Angebote.

Hm okay, aber er würde mir den Ort für das beste Foto vom Durbar Square zeigen. Na klar, da bin ich dabei. Wir steigen auf einen kleinen, etwas versteckten Tempel und von hier hat man tatsächlich einen schönen Blick über den Platz. Kurz überlegt Johnny, wie ich ihn insgeheim sofort getauft habe, dann meint er, dass er mir trotzdem ein bisschen was zeigen will und so bekomme ich eine kleine Gratisführung und er weiß wirklich einiges und ist ein sehr unterhaltsamer Guide. Als wir den Platz abgehakt haben, überlegt er wieder: Ob ich noch Bhaktapur sehen wollte? Dort wohnt er und könnte mich noch ein bisschen rumführen. Er hat sein Motorrad hier und zurück nach Thamel könnte ich mit dem Local Bus fahren. Jetzt muss ich kurz nachdenken, aber was solls, ich hab nichts besseres vor, müsste sonst eine Stunde in der Mittagshitze zurücklaufen und um irgendwas cooles zu unternehmen oder gar ein Taxi nach Hause zu bezahlen, habe ich wirklich kein Geld mehr. Ich steige also Swayambhunath  -Gebetsmühlenauf und wir brausen los. Sandeep, wie er wirklich heisst, ist ein guter Fahrer, aber trotzdem habe ich in diesem verrückten Verkehr immer ein bisschen blödes Gefühl, denn ich trage keinen Helm und nur Shorts und stellenweise fahren wir über 70 km/h. Bhaktapur geht unmittelbar in Patan über und nach etwa 15 Minuten halten wir an einem kleinen Straßencafé, wo ich erstmal einen Tee aufs Haus trinken muss, denn es gehört Freunden von Sandeep. Dann düsen wir weiter nach Thimi, das Töpferviertel von Bhaktapur. Hier führt mich Sandeep ein bisschen durch die Straßen und über Plätze, auf denen es überall von trocknenden Tongefäßen wimmelt, die hier in etlichen kleinen Hinterhofwerkstätten und teilweise sehr kunstvoll gefertigt werden. Hier sind nur Einheimische auf den Straßen und ich wäre von alleine wahrscheinlich nie hier hergekommen, aber es ist ein wunderschöner Stadtteil mit alten, mit Holzschnitzereien verzierten Häusern. Sandeep scheint irgendwie jeden hier zu kennen, kein Wunder, er ist in diesem Viertel aufgewachsen. Dann gehen wir noch auf einen kleinen Snack in eines der vielen Straßenrestaurants. Es gibt ein Kartoffelcurry, geräucherte und scharf marinierte Büffelfleischstücke (die manchmal ein bisschen schmecken, als ob man gerade einen Aschenbecher ausschlürft) und eine Art Reishaferflocken, die man dazu Frühsport in Swayambhunathisst wenn es einem zu scharf wird. Außerdem bringt der Inhaber der Stube noch zwei Gläser selbstgebrannten Wodka. Der ist ziemlich stark für mittags um 13 Uhr aber irgendwie krieg ich ihn runter. Die Gaststube ist voll von locals, die sich um diese Uhrzeit schon becherweise Reisbier reinkippen; allerdings nur Männer, denn dass nepalesische Frauen in der Öffentlichkeit trinken, gehört sich nicht. Die ganze Zeit läuft ein mieser Bollywood-Klamauk auf dem winzigen Fernseher des Restaurants, dessen Handlung ich auch ohne ein Wort Hindi zu sprechen leicht kapiere. Den schauen wir noch zuende, bezahlen darf ich wieder nichts und dann bringt mich Sandeep zum Bus, der mich für 15 Rupien zurück in Richtung Thamel bringt. Ich fasse zusammen, dass es eigentlich sehr angenehm ist, als Frau alleine in Nepal zu reisen, die Nepalesen sind echte Gentlemen 😉

Ich bin gegen 16 Uhr wieder in Thamel und beschließe, nachdem ich heute so ein fleißiger Tourist war, jetzt auch noch die letzte Sehenswürdigkeit, die ich mir vorgenommen hatte, mitzunehmen: den Garden of Dreams, in unmittelbarer Nähe des Hostels. Der kostet zwar stolze 200 Rupies Eintritt, ist aber wirklich wunderschön und wurde den englischen Gartenanlagen nachempfunden, die der Sohn des Ministerpräsidenten in den 1920er Jahren auf Swayambhunath einer Reise besucht hatte. Er gab den Anstoß, diese Gartenanlage, eine grüne, friedliche Oase mitten im staubigen, dreckigen und lauten Kathmandu anzulegen. Gut gemacht! Ich hänge also noch ein bisschen hier herum, atme etwas frische Luft und trinke von meinem letzten Geld noch ein Lemon Soda im kleinen Café des Gartens. Nach einer Dusche gehe ich dann nochmal Momos essen, und zwar entgegen einer alten Traveller-Regel nochmal in das gleiche Restaurant, in dem Alex und ich am ersten Abend waren, denn da waren sie tatsächlich am Besten und außerdem ist es um die Ecke.Für ein Getränk reicht mein Geld dann aber nicht mehr, sonst kann ich das Taxi zum Flughafen nicht mehr bezahlen. Also gehe ich wieder früh ins Bett, gegen 21 Uhr bin ich auf Grund meiner neu antrainierten Schlafgewohnheiten aber auch schon wieder ziemlich müde.

Und wie um nochmal den Bogen zu meiner Ankunft in Nepal zu spannen, vergesse ich am nächsten Morgen tatsächlich mein Klappmesser im Handgepäck…natürlich bin ich mir keiner Schuld bewusst, als der strenge Sicherheitsmann mich auffordert sofort das Messer auszuhändigen, was in meiner Tasche ist. Und da ich darauf bestehe, kein Messer zu haben, durchwühlt er vor meinen Augen die ganze Tasche um am Gebetsmühlen in SwayambhunathEnde triumphierend das Messer in die Höhe zu halten. Okay, das alte Ding soll er haben ; so werden dann also am Ende diese kleinen Sünden bestraft, wenn man einen Wachsmalstiftanspitzer im Handgepäck nach Nepal einschmuggelt.

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